Wiedradweg – So langsam wird’s.

Posted by on 13.04.14
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Und es wird tatsächlich gut.
Nachdem der Wiedradweg mehrere Jahre auf weiten Strecken nur als Name existierte, tut sich in letzter Zeit doch gehörig etwas. Auf dem Stück zwischen Neustadt/Wied und Oberhoppen wurde ein komplett neuer Radweg mit sage und schreibe fünf nagelneuen Brücken für insgesamt 1,2 Mio. € gebaut. Weiter Flussabwärts entsteht zwischen Mäherbachtal und der Laubachsmühle ein ebenfalls neues Teilstück für 2 Mio. €.
Leider beschränken die Investitionen bislang auf den Kreis Neuwied. Im Landkreis Altenkirchen, wo ich wohne, tat sich lange Zeit in Bezug auf den Wiedradweg überhaupt nichts. Selbst auf Nachfrage konnte mir keiner sagen, wo der Radweg denn genau war. Es existierten einige GPX-Dateien im Netz, deren Wegführung aber keineswegs einheitlich war.
Jetzt habe ich aber vor kurzem bei mir in der Straße ein neues Schild entdeckt, das sich als Wiedradweg ausweist. Ich kann eigentlich gar nicht genau sagen wie lange das Schild schon da hängt, da ich als „Einheimischer“ auf die Schilder eigentlich nicht achten muss. Bei der nächsten Fahrt zur Arbeit habe ich aber trotzdem mal die Augen auf gehalten und gesehen, dass sich in Bezug auf die Beschilderung des Radwegs wohl recht viel bewegt hat in letzter Zeit. Somit führt jetzt neben dem Westerwaldsteig und dem Wied-Wanderweg nun auch der Wiedradweg direkt bei mir an der Haustür vorbei.Grund genug sich aufs Fahrrad zu schwingen um mal nachzusehen, wo der Radweg denn so langführt an dem ich neuerdings wohne.

Neuer Radweg bei Wiedmühle.

Neuer Radweg bei Wiedmühle.

Ich startete direkt an der Kreisgrenze an Kloster und Burgruine Ehrenstein. Von hier aus Flussabwärts war der Verlauf eigentlich klar, weil er zu großen Teilen neu und auch schon seit längerem ausgeschildert war. Flussaufwärts in Richtung Altenkirchen waren aber viele Schilder frisch aufgestellt. Von Ehrenstein aus ging es auf dem ehemaligen Bahndamm der Strecke Linz-Flammersfeld weiter. Eine wirklich schöne Wegstrecke am Waldrand direkt an der Wied entlang. Aber schon nach wenigen hundert Metern ist der Spaß dann auch schon vorrübergehend zu Ende. Die im Krieg zerstörten Eisenbahnbrücken wurden leider nicht wieder aufgebaut. Ich muss also vom Bahndamm runter und etwa 1,5 Kilometer auf der Landstraße weiter fahren. Das Tal ist hier ziemlich eng und es gibt nicht wirklich viele Möglichkeiten den Radweg ohne neue Brücken abseits der Straße zu verlegen.
Nachdem man auf der Auto-Brücke dann über die Wied gefahren ist, bekommt man den Weg durch ein wiederum neues Schild zum alten Eisenbahntunnel gewiesen. Beleuchtet und mit Bewegungsmeldern versehen erspart dieser Tunnel dem Tourenradler den kurzen aber recht steilen Berg auf der Landstraße in Richtung Peterslahr.
Aus dem Tunnel raus wird man wieder mit einer guten und übersichtlichen Beschilderung auf einer Ortsstraße durch Peterslahr und Heckerfeld nach Burglahr geleitet. Es geht zwar ein Stückchen bergauf, ich schätze mal 6 – 8 %, aber durchaus angenehmer, als auf der ziemlich schlechten und auch nicht wenig befahrenen Landstraße weiter zu müssen.
Kurz bevor man Burglahr erreicht hat leitet einem die Beschilderung wieder rechts auf den ehemaligen Bahndamm, der von hier ab ohne weitere fehlende Brücken an Wied und Waldrand entlang nach Oberlahr führt.
Nach einem Stück auf einer stillgelegten Straße und dem queren der B256 folgt ein weiteres Stück Landstraße, das hier aber sehr gut zu fahren ist und auch wenig Autoverkehr aufweist. Dann wieder auf dem hier geschotterten Bahndamm weiter bis Döttesfeld.


Bis hierher eigentlich genau die Strecke, die ich auch schon ohne Beschilderung immer gefahren bin. Genau so hätte ich mir die Wegführung auch gewünscht. Natürlich könnten einige Abschnitte, vor allem diejenigen die auf der stark befahrenen Landstraße führen, noch weitaus Radfreundlicher ausgebaut sein, aber was bisher getan wurde ist schon einmal ein guter Anfang.

Abstecher auf die Höhe.

Abstecher auf die Höhe.

Zwischen Döttesfeld und Seelbach kann ich die Routenführung nicht so ganz nachvollziehen. Man wird über eine sehr steile, geschotterte Auffahrt aus dem Wiedtal hinaus auf die Höhe geleitet, um dann nach nur ein paar hundert Metern über eine wiederum steile Abfahrt wieder hinunter zu müssen. Nicht dass es sich nicht lohnen würde – von oben hat man wirklich einen sehr schönen Blick über die nähere Umgebung – doch die Freude ist etwas kurz für die anstrengende Auffahrt. Man hätte den Weg noch etwas auf der Höhe weiterführen können (dann wär es dann aber kein rechter Flussradweg mehr) oder einfach auf dem schönen Wanderweg an der Wied entlang.
Zugegeben, mit einem Rennrad ist das wohl nicht so angenehm, aber Rennradler fahren ja sowieso lieber auf der Straße. Wahrscheinlich wollte man aber den dort ausgeschilderten Wanderweg „Westerwaldsteig“ nicht zu einem Fahrradweg machen, was dann wiederum ebenfalls verständlich ist.
Die Beschilderung übrigens war auch bis hier bisher mehr als vorbildlich. Ich habe wirklich keine Stelle gefunden, an der die Wegführung nicht eindeutig erkennbar war.


Von Seelbach bis Neitersen ging es dann eigentlich hauptsächlich auf Landstraßen weiter. Hört sich so erst einmal nicht so gut an, aber die Straßen dort haben eher den Charakter (und die Breite) von Wirtschaftswegen. Mir ist auch auf der ganzen Strecke nicht ein Auto begegnet.
Durch Neitesen selbst muss man allerdings auf der recht stark befahrenen B265 fahren, wenn auch auf einem aufgemalten Radstreifen. Aber das ist nur ein kurzes Stück.
Danach wechseln sich bis Altenkirchen Wirtschaftswege, Ortsdurchfahrten und schmale Landstraßen ab. Aber alles doch recht angenehm und mit wenig Autos.

Momentan weiß ich noch nicht, wie es hinter Altenkirchen dann bezüglich Wegführung und Beschilderung weiter geht. Für die nächsten Wochen habe ich mir vorgenommen, noch einmal den kompletten Wiedradweg abzufahren und mir ein Bild von der aktuellen Lage zu machen. Alles in allem kann ich aber jetzt schon sagen, dass der Wiedradweg, auch schon im jetzigen Baustadium, ein lohnendes Ziel ist. Bahnanschluss befindet sich an beiden Enden und auch zwischendrin sind Bahnhöfe meistens nicht weit entfernt. Bei der Mündung in den Rhein bei Neuwied hat man Anschluss an der Rheinradweg und schräg gegenüber in Koblenz beginnt auch der Moselradweg.
Das ganze Wiedtal ist eher eine ländliche Region. Dadurch dass das Tal recht schmal ist gibt es hier kaum große Industrie.
Die Strecke ist gut geeignet für Tourenradler, die gerne „naturnah“ unterwegs sind und auch mit streckenweise schlechterem Fahrbahnbelag und moderaten Steigungen zurechtkommen.

Wiedradweg Streckenverlauf von Mettelshahn bis Altenkirchen

Wiedradweg
Streckenverlauf von Mettelshahn bis Altenkirchen

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